Die Entwicklung der Spinnerei
Seitdem vor Jahrtausenden Menschen erkannt haben, daß mit einer in Drehung versetzten Spindel und dem Verzugsvorgang von Hand ein brauchbares Garn gesponnen werden kann, ist die Herstellung von Garnen und Textilien in zunächst langsamer, aber stetiger Entwicklung vervollkommnet worden. Als vor 250 Jahren in England die ersten Spinnmaschinen gebaut und anstelle der gebräuchlichen Spinnräder in Betrieb genommen wurden, ahnte niemand, welch gewaltige Umwälzungen sich anbahnten. Und wohl kaum jemand dürfte sich darüber Rechenschaft abgelegt haben, über die weitreichenden Folgen, welche die so in die Wege geleitete allgemeine Industrialisierung auf die Menschheit, auf deren Lebensgewohnheiten
- Wohlstand oder Arbeitslosigkeit - auszulösen im Begriff war.

Bis zum Jahre 1820 waren Spinnmaschinen ausschließlich englische Fabrikate. Um diese Zeit verbot die Regierung Englands die Ausfuhr von Textilmaschinen. Mit dieser Maßnahme versucht England, die aufblühende Textilindustrie des Kontinents als unliebsame Konkurrenz auszuschalten, was allerdings nicht gelang. Stattdessen wurden auf dem Festland, vor allem in Deutschland (Sachsen) und in der Schweiz eigene Maschinen konstruiert, die sich alsbald als gleichwertig oder gar wesentlich besser erwiesen. Ein großer Markt war für England verloren.
Zu Beginn der Mechanisierung der Spinnereien wurde die Wasserkraft als Energie genutzt. Später setzte man Dampfmaschinen ein und die Arbeitssäle wurden bestimmt von einem Gewirr von Transmissionen und Treibriemen, die erst mit dem elektrischen Einzelantrieb, der direkt an die Maschine angeschlossen wurde, verschwanden.

Auch heute noch spielt sich der Spinnvorgang nach dem althergebrachten Prinzip des Verstreckens der vorgelegten Fasermassen und des Drehens ab. Und die Spindel - Symbol und Größenmerkmal jeder Spinnerei - dreht sich, wenn auch viel schneller, so doch in gleicher physikalischer und technischer Wirkungsweise, wie dies vor einigen hundert Jahren der Fall war.
Die Produktionsstufen: